Insiderhandel


Informationen zum verbotenen Insiderhandel

Der kapitalmarktbezogene Begriff des Insiderhandels entstammt dem angloamerikanischen Ausdruck „insider trading“. Darunter werden Geschäfte in Finanzinstrumenten unter Ausnutzung der Kenntnis kursrelevanter Informationen verstanden, wobei diese Informationen nicht öffentlich bekannt, jedoch geeignet sind, bei Veröffentlichung den Kurs der Finanzinstrumente erheblich zu beeinflussen. Dieser Sachverhalt ist als illegaler Insiderhandel zu klassifizieren, wobei den Insidern ein solcher Handel mit Insiderpapieren unter Verwendung von Insiderinformationen für eigene oder fremde Rechnung grundsätzlich verboten ist. Das Kernstück für diesen illegalen Insiderhandel bildet die tatbestandliche Formulierung des Insiderhandelsverbots in §14 WpHG.

Informationen zum erlaubten Insiderhandel (Directors' Dealings)

Keineswegs ist jeglicher Insiderhandel per Gesetz verboten, und somit sind Insider nicht generell vom Kauf von Aktien ihres Unternehmens ausgeschlossen. Insidertransaktionen, die auf Basis allgemein zugänglichen Informationen getätigt werden, unterliegen nicht dem Insiderhandelsverbot. Daher sind diese als Directors’ Dealings bezeichneten Handlungen grundsätzlich erlaubt, unterliegen jedoch Meldepflichten. So müssen die Eigengeschäfte der meldepflichtigen Personen auf dem im Gesetz vorgeschriebenen Wege sowie in dem gesetzlich vorgeschriebenen Zeitrahmen öffentlich gemacht werden. Nach der Vorschrift des §15a WpHG müssen die Directors’ Dealings der BaFin innerhalb von fünf Werktagen gemeldet werden. Das Ziel ist es, durch diesen gemeldeten Insiderhandel die Transparenz der Aktienmärkte zu erhöhen und das Vertrauen der Anleger in den Kapitalmarkt zu stärken.

Meldepflichtig sind alle Personen mit Führungsaufgaben, wobei neben den Organmitgliedern auch persönlich haftende Gesellschafter sowie alle Personen erfasst werden, die wesentliche unternehmerische Entscheidungen treffen können. Die Pflicht zur Offenlegung von Transaktionen mit Aktien der betreffenden Gesellschaft gilt auch für deren Verwandte und andere nahe stehende Personen.

Mit Einführung des Anlegerschutzverbesserungsgesetzes (AnSVG) wurde die Meldepflicht auch auf Gesellschaften oder juristische Personen (zum Beispiel Vereine, Gesellschaften, Stiftungen) ausgedehnt, die von der meldepflichtigen Person kontrolliert werden oder zu ihren Gunsten gegründet wurden. Neben dem genannten Personenkreis können auch Berater des Unternehmens, wie zum Beispiel Wirtschaftsprüfer, Anwälte und Finanzanalysten über besondere Informationen über den Emittenten verfügen. Dieser Personenkreis ist jedoch strikt von den zuvor Angesprochenen zu trennen, da diese außerhalb des Unternehmens stehen und sich in der Regel nicht in einem besonderen Näheverhältnis zu einer Führungskraft des Emittenten befinden.

Zur Überwachung der Einhaltung von Mitteilungspflichten kann die BaFin von den Meldepflichtigen sowie den beteiligten Wertpapierdienstleistungsunternehmen Auskünfte und die Vorlage von Unterlagen verlangen, soweit dies zur Überwachung der Einhaltung der Offenlegungspflichten erforderlich ist. Bei Verletzung dieser Mitteilungs- und Veröffentlichungspflicht kann eine Ordnungswidrigkeit verhängt werden.

Eine Ordnungswidrigkeit liegt vor, wenn ein Meldepflichtiger vorsätzlich oder leichtfertig nicht, inhaltlich unrichtig, unvollständig oder nicht rechtzeitig meldet oder nicht in der vorgeschriebenen Art und Weise. Derartige Ordnungswidrigkeiten können mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro bestraft werden. Wird der Beleg nicht rechtzeitig an die BaFin gesendet beträgt das Bußgeld maximal 50.000 Euro.

Bußgelder gemäß §39 Abs. 4 WpHG

Bußgeld Tatbestand
bis 50.000 €                  bei verspäteter oder fehlender Übersendung des Veröffentlichungsbelegs
bis 100.000 € keine, falsche oder unvollständige Vorabmitteilung
bis 100.000 € keine, falsche oder unvollständige Veröffentlichung                
bis 100.000 €

Veröffentlichung erfolgt nicht rechtzeitig oder nicht in der vorgeschriebenen Art                                                           


Bei §15a WpHG handelt es sich nicht um ein gesetzliches Verbot, sondern um eine Publiziztätspflicht. Ein Rechtsverlust für Papiere aus nicht gemeldeten Geschäften tritt demnach nicht ein. Auch eine Abführungspflicht für Gewinne, die durch Verstöße gegen Mitteilungspflichten entstanden sind, besteht bisher nicht.

Wissenschaftliche Studien zu den Directors' Dealings

Mehrere wissenschaftliche Studien haben sich mit dem erlaubten Insiderhandel am deutschen Aktienmarkt auseinandergesetzt und den Nutzen von Directors' Dealings untersucht. Die zentrale Fragestellung lautet dabei: Können Privatanleger durch das Nachahmen von Directors' Dealings Überrenditen erzielen?

Autor/ Zeitraum/
Transaktionen
Zusammenfassung der wissenschaftlichen Studien in Bezug auf Directros' Dealings am deutschen Aktienmarkt
Rau
07/2002 - 12/2003
2.507    Transaktionen    
Überrendite der von Insidern gekauften Aktien konnte festgestellt werden. Insider vermeiden durch rechtzeitigen Verkauf deutliche Verluste. Aufsichtsorgane erzielen die höchsten abnormalen Renditen.
Heidorn/ Meyer/ Pietrowiak
07/2002 - 03/2004
1.382    
Insider erzielen nach Käufen eine deutliche Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt. Privatanleger können durch Imitation der Insiderkäufe ebenfalls eine deutliche Outperformance erzielen. Verkäufe von Insidern liefern keine nützlichen Informationen über die zukünftige Aktienkursentwicklung.
Stotz
07.2002 - 07.2003
976
Besserentwicklung der von Insidern gekauften Aktien konnte festgestellt werden. Insider vermeiden durch rechtzeitigen Verkauf Verluste. Privatanleger können durch Beachtung der veröffentlichten Insidertransaktionen ähnliche Überrenditen wie Insider erzielen.
Betzer/ Theissen
07/2002 - 06/2004
2.051
Sowohl für Insiderkäufe als auch Insiderverkäufe konnten Insider bessere Renditen erzielen. Anleger erzielen durch Nachahmung der Insidergeschäfte in etwa gleiche Überrenditen.
Dymke/ Walter
07/2002 - 05/2005
3.079
Nach Insiderkäufen konnten Überrenditen der Insider Aktien festgestellt werden. Insider begrenzen durch rechtzeitige Verkäufe Verluste.


Es kann daher festgehalten werden, dass Outsider am deutschen Aktienmarkt durch das Kopieren von Directors' Dealings systematische Überrenditen im Vergleich zum Gesamtmarkt erzielen können. Der Ausgangspunkt hierfür sind die hohen Renditen der Insider selbst. Dies bedeutet nichts geringeres, als dass die Marktteilnehmer aus dem beobachteten Insiderverhalten Rückschlüsse auf die gegenwärtige und die zukünftige Unternehmensentwicklung ziehen und die über die BaFin offengelegten Transaktionen als Indikator dienen können. Unter dem Strich bestätigt dieser Umstand, dass kaum jemand anderes als der Unternehmensinsider selbst den besten Einblick in sein eigenes Unternehmen haben wird.

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